Artheater


Die geheimen Obszönitäten des Alltags

Ein Stück nach Marco Antonio De La Parra
Es spielen: Stefan Bohne, Bernd Rehse
Regie: Stefan Bohne, Bernd Rehse
Musik-Konzeption: Stefan Bohne
Treffen sich zwei Exhibitionisten auf einer Bank vor einem Mädchenpensionat ...und verhandeln Furcht und Elend der gesamten Moderne. Kein Witz. Denn bei den stets bereiten Trenchcoat-Trägern handelt es sich um niemand anderes als um die einflussreichsten Theorieköpfe unseres Jahrhunderts im Längenvergleich. Liebe Mädels aufgepasst, vor Euch entblössen sich Karl Marx und Siggi Freud! Irgendwas muss furchtbar schiefgelaufen sein mit den 20th Century-Boys. Irgendwer hat den Vordenkern die Hosen ausgezogen, darunter zucken Geschlecht und Messer, Obszönität und Gewalt. Natürlich ist die Fallhöhe bei einem solchen Entwurf enorm. Stefan Bohne und Bernd Rehse, verantwortlich für das ganze Projekt, halten ihn schauspielerisch mühelos auf dem dünnen Seil zwischen Marx und Murx, Freud und Fun. Wo Worte versagen, hauen sie uns sehr, sehr laute und hochfrequente Beats um die Ohren und strapazieren die Stroboskope. Das knallt dann richtig. Schon der Text fürs deutsche Theater und für eine neue Publikumsgeneration zu entdecken, ist Verdienst genug. Denn was Bohne und Rehse da nach Marco Antonio De La Parras polymorph-perverser Posse auf die Parkbank legen, ist ein Hammer - keine Frage: heftig und hochkomisch, verstörend, erhellend - und auch mal ärgerlich und saudumm. Ein Hammer eben.

Aufführung des Monats. Das junge Team vom ARTheater wagt - zwischen Performance und gespieltem Witz - einen Balanceakt auf dem elektrischen Draht. Und gewinnt viel.
(Kölner Illustrierte)

Penetrator

Ein Stück von Anthony Nielson
Es spielen: Tomasso Tessitori, Stefan Bohne, Bernd Rehse
Bühnen-Lichtkonzeption: Ephgenia Hodkevitch
Produktionsassistenz: Rebecca Korbach
Regie: Andreas Robertz
Kostüme: Pino Cervino
Musik: Stefan Bohne
2 junge Männer in einer scheinbar heilen Gemeinschaft mit scheinbar normalen Bedürfnissen. Für Max und Alan treibt das Leben angenehm zwischen Joints, Nichtstun und Sex dahin. Dann ein dritter Mann von außen, aus einer Hölle kommend, Stan. Damals ein Freund. Unerwartet treffen sie wieder aufeinander. Durch verschiedene Vorkommnisse in der Vergangenheit miteinander verbunden, beginnen gemeinsame Bilder zu verschwimmen, Realitäten zu wanken, Freundschaften zu zerbrechen, die vielleicht niemals welche waren. Sexualitäten stehen in Frage. Ein Stück über den schmalen Grad zwischen Realität und Fantasie und über verschütteten Ängste in uns. Als Nachfolgestück von "Die geheimen Obszönitäten des Alltags" ist "Penetrator" die ideale Produktion für das ARTheater . Die Verbindung von unkonventioneller Bühnenmusik, provokanten Themen und hoher Qualität von Schauspiel und Inszenierung ist auch hier Programm.

Dead Mother

Ein Stück von David Greenspan
Es spielen: Mirjam Wiesemann, Britta Dirks, Tomasso Tessitori, Stefan Bohne, Bernd Rehse
Kostüme: Pino Cervino
Regie: Andreas Robertz
Musik: Stefan Bohne
Wie auch bei unseren vorangegangenen Produktionen ist unser zentrales Thema die Nähe von Realität und Fiktion, von Wahrnehmung und Wahn. Diesmal ist der Schauplatz die Familie. Zwei Söhne, deren Frauen, ein kranker und seniler Onkel, die Eltern der Söhne in skurrilen Szenen zwischen Realität und Fantasie. Die Söhne spielen die Mutter, teilweise ohne es zu realisieren, die Frauen spielen Erinnerungen durch, die immer pathetischer werden, alle sind auf der Suche nach ihrer Biographie und der "Familienwahrheit". Was ist passiert? Was ist aus uns geworden? Es geht um Sexualität und Tod, Kindheit und Ehe. Aber statt die Realität zu bewältigen verlieren sich alle Beteiligten zwischen ihren Auseinandersetzungen in immer absurderen Erinnerungen und Fantasien. Dies findet seinen Höhepunkt in einem "Theaterstück" im Theater: archaischen Kunstfiguren wie Prometheus, Zeus, Aphrodite, Athene bestimmen dort das Leben in seiner Absurdität. Beziehungen ritualisieren sich , werden gewalttätig und verlieren sich schließlich im Unreflektierten. Am Ende sind die Realität und die vermeintlichen Wahrheiten doch erschreckend banal. Die Radikalität des surrealen Stückes, das harsche Brechen zwischen Alltags-und Kunstsprache, ein faszinierend zynischer, englischer Humor sind für uns eine ideale Grundvoraussetzung um innerhalb eines schrillen, spannenden Theaterspektakels einige überraschende "Wahrheiten" über Familie, Kindheit und Sexualität freizulegen, den Wahnsinn zwischen Eltern und Kindern oder Beziehungs- partnern auszuagieren, ohne einen pädagogischen Mantel darüberzulegen. Schließlich haben wir alle das eine oder andere Monster im Keller!

Gruseltrashboulevard (Stadtrevue)
Ihre Mutter ist tot und lässt Sie grüßen:
Das ARTheaterTeam spielt "Dead Mother"
"Bisher zeigten die Hauptrollen in diesem Theater immer homosexuelle Männer", beschwert sich zu Beginn der Vorstellung eine heterosexuelle Frau. Dagegen sei ja nichts zu sagen, meint sie, aber sie fühle sich eben unterrepräsentiert. In "Dead Mother", das verrät schon der Stücktitel, ist das anders. Hier ist die wichtigste Figur jene Frau, die von allergrößter Bedeutung im Leben eines Mannes ist: die Mutter. Was immer wir tun - hoffentlich ist Mutter einverstanden. In David Greenspans Stück, auch das verrät der Titel, ist Mutter jedoch soeben verstorben. Und weil es ohne sie nun mal nicht geht, muss eben einer der Söhne ihre Rolle übernehmen - der, der am besten in Mutters Kleid passt.
Das ist die Ausgangslage für eine rasante, finstere Komödie, für die sich vier SchauspielerInnen auf der schwarzen Bühne des ARTheaters so richtig ins Zeug legen. Zur Belohnung dürfen sie sich, wenn sie gerade nicht für die Handlung gebraucht werden, an der Bar ausruhen und Drogen nehmen. Nebenbei wird mit viel Bühnennebel und in Bettlakenkostümen ein Teil der griechischen Mythologie erklärt, ein Schäfchen geliebt, und alle verstricken sich immer tiefer in ein Netz aus Lügen, dessen Fäden die Mutter auch posthum noch fest in der Hand hält. Das Ganze geht so lange, bis auch der letzte Abgrund dieser Familie freigelegt ist. Was aussieht wie eine Mischung aus Boulevard und Schultheater, ist vielleicht manchmal, aber keinesfalls immer billiger Trash. Streckenweise blitzt sogar großes Theater auf,
wenn zum Beispiel einer der Söhne in schickem Damenkleid und dazu passendem Hut vor einem großen Spiegel seinen Mutterkonflikt auslebt: Als Filius Harold und Dead Mother zugleich fällt er sich dann selbst ins Wort, schreit sich an und macht sich die fiesesten Vorwürfe. Stefan Bohne spielt diesen Zweipersonen-Monolog so überzeugend, dass es seinen KollegInnen mitunter schwer fällt, schau-
spielerisch Schritt zu halten. Doch mit vereinten Kräften beweisen die vier, dass eine heiße Sexszene auch mal als Monolog funktioniert und dass raben-
schwarzer Humor nicht zwangsläufig aus britischen Federn fließen muss. Das Team vom ARTheater hat schon bei seiner "Penetrator" Produktion bewiesen, dass es auch aus einem zweifelhaften Text einen guten Theaterabend machen kann. Mit dem Stück des Amerikaners David Greenspan hat es sich diesmal sogar ein richtiges well made play ausgesucht. Und einen schönen Schocker.
(Klaus Fehling)

Last Virgin

Ein Stück von Tuvia Tenenboms
Es spielen: Tomasso Tessitori, Stefan Bohne, Bernd Rehse, Solange Wiesner
Regie: Andreas Robertz

Ein Sprengstoff mit grotesk-komischen Zügen

Mit der Inszenierung von "Last Virgin" gelingt Regisseur Andreas Robertz ein ungewöhnlicher und zugleich unterhaltsamer Theaterabend. "Last Virgin" befasst sich mit dem Nahostkonflikt. Doch spickt der Autor das Stück nicht, wie üblich, mit Betroffenheitsäußerungen oder Provokationsparolen, sondern vielmehr mit Humor. Zunächst trifft man auf die naive Fatima, die von ihrem Bruder, einem muslimischen Selbstmordattentäter, per Video dazu überredet wird, ihm ins Paradies zu folgen. Er berichtet ihr von den unzähligen Vorzügen des Paradieses und lockt sie mit dem attraktiven Propheten Mohammed, der hier auf sie wartet. Fatima, die von einem Juden vergewaltigt wurde, hat auf Erden nicht mehr viel zu erwarten und willigt in den Plan ein, sich in der Nähe der Klagemauer in die Luft zu jagen.
Doch so einfach ist das nicht. Denn da gibt es noch drei irdische Männer, die ebenfalls ihre Pläne mit Fatima haben. Die Darsteller Stefan Bohne, Bernd Rehse und Tomasso Tessitori verkörpern gekonnt drei männliche Charaktere, die sich zu Beginn als Palästinenser oder Jude für ihre Sache ins Zeug legen. Doch im Verlauf ihrer fantasiereichen Identitäts-
täuschungsversuche ist irgendwann nicht mehr klar, wer hier eigentlich wer ist und was sie jeweils politisch mit der willigen Selbstmordattentäterin bezwecken. Nur eins wird deutlich, sie alle wollen Sex mit der jungen Frau. In dem satirischen Spiel stellt sich bald heraus, dass hier jeder nur seine eigenen kleinen Bedürfnisse befriedigen will und da ist die naive Fatima ein geradezu perfektes Mittel zum eigennützigen Zweck. Am Ende des grotesk-komischen Abends verlässt man das ARTheater mit dem angenehmen Gefühl, eine unterhaltende und zugleich tiefsinnige Theaterproduktion erlebt zu haben.
(Text: B.R., Kölner Illustrierte Januar 2004)

Nominiert für das Festival “Theaterzwang 2004”

“Highlight 2004” - “Das ARTheater dreht die Schraube bis zum Anschlag” (Stadtrevue)

"Stück des Monats Januar 04" (Kölner Illustrierte)

Unidentifizierbare Leichenteile ...

NOMINIERT FÜR DEN KÖLNER THEATERPREIS 2004
Kane: Was hast du gestern gemacht?
David: Mich betrunken, irgendeinen Typen im Park gefickt, mich als Cowboy verkleidet und zugesehen, wie so ein alter Wichser Benita mißhandelt hat.
Kane: Oh Pause Ich hab mich amüsiert.

Sechs Charaktere zwischen sexueller Orientierungslosigkeit, dem Traum eines freien, modernen Menschen und der Sehnsucht nach den wahren Gefühlen. Einer von ihnen ist ein brutaler Frauenmörder, der seine Opfer verstümmelt und seziert. In einer scheinbar harmlosen Anreihung von Alltagssituationen entfaltet sich dieser Psychokrimi bis hin zu seiner Enthüllung. Das Faszinosum der sezierten Körperlichkeit als Suche nach den wahren Gefühlen und die Suche harmlos-wirkender Charaktere in einem urbanen Umfeld nach dem, was keiner erträgt: den Kontrollverlust des Individuums durch die Erfahrung tieferer Emotionen. Es spielen: Tina Hartman / Leonie Abbassi / Maximiliane M Bitsch / Stefan Bohne / Jan Kersjes / Mathieu Süsstrunk / Bernd Rehse Regie: Andreas Robertz / Bühne: Molly Mayer, Simone Manthey Assistenz: Johannes Kordes Kostüme: Pino Cervino / Musikkonzeption: Stefan Bohne Stadtrevue 11/04 :
Es ist gut, dass es ab und zu doch Theatertexte gibt, die von Lebenslügen, Orientierungslosigkeit und Ausschweifungen junger Menschen erzählen, ohne dabei ausschließlich auf billige Provokation und Schockeffektehascherei durch Fickszenen, Gewalt-und Drogenexzesse zu setzen. Doppelt gut ist es, wenn ein solches Stück einem mutigen Regisseur, hier Andreas Robertz, in die Hände fällt. Der nämlich inszeniert es temporeich, mit Fingerspitzengefühl und teilweise hervorragenden Schauspielern in gut zitzenden Kostümen. Die wiederum bringen die Fickszenen, Gewalt-und Drogenexzesse, die in diesem Serienkiller-Stück von Brad Fraser natürlich trotzdem vorkommen, angemessen rüber. Wenn dann die Musik in ihrer nötigen Härte und Lautstärke stimmt, die Bühnenbildner gute Ideen hatten und die angenehm bizarre Ausstattung eine große Liebe zum Detail erkennen lässt - dann ist das mindestens dreifach gut und ein Grund, mal wieder ins ARTheater zu gehen.

Theater Pur 12/04:
...dank der wirklich starken Darsteller.Und diese darf man als durchweg ausgezeichnet bezeichnen. Berührungsängste, Beziehungsängste, und alles was das Leben heute bereit hält um in Katastrophen enden zu können, werden ungemein differenziert über die Bühne gebracht...Gegen Berührungsängste und für das Risiko auch einmal mit seinen intimsten Wünschen und Bedürfnissen scheitern zu können. Ein spannender, gleichzeitig aber auch unterhaltender Theaterabend ohne dass irgendjemand glaubt den moralischen Zeigefinger heben zu müssen...Eine tolle Leistung.

Der Kissenmann

“Der Kissenmann” von Martin McDonagh.
Die neue Premiere des Artheaters in Kooperation mit Moving Theatre. Ein Meisterwerk des schwarzen Humors, am Broadway gefeiert.

Gewinner des Kölner Theaterpreises 2006!
Vorschau Oktober: 24.-26.10. 20h

Regie: Andreas Robertz
Musik: Stefan Bohne
Kostüme: Pino Cervino
Licht: Johannes Kordes
Regieassistenz: Moritz Schreiner
Bühnenbild: Michl Thorbecke
Videotrailer by Pee Schöttler, www.colognecut.com
Es spielen: Tomasso Tessitori, Achim Conrad, Stefan Bohne, Bernd Rehse.

Termine: 20. bis 22. Dezember 2006 jeweils ab 20 Uhr.

Nach den Produktionen 'Penetrator' von D. Neillson, 'Dead Mother' von D. Greenspan, 'The last Virgin' von T.Tenenbom und 'Unidentified human remains and the truth of Love' von Brad Frazer wird das Artheater in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Robertz seine Auseinandersetzung mit den Abgründen der modernen Gesellschaft und der Schizophrenie ihrer Individuen fortführen und Martin McDonagh´s 'Der Kissenmann' realisieren.

Es war einmal ein Mädchen, das schnitzte kleine Männchen aus Äpfeln und verbarg Rasierklingen darin. Sie verbot ihrem strengen, unbarmherzigen Vater, davon zu essen, doch dieser übertrat ihr Gebot...

Es war einmal ein kleiner Junge, der traf auf einer Brücke einen geheimnisvollen Kutscher, mit dem er sein letztes Brot teilte. Der Kutscher hieb dem kleinen Jungen die Zehen ab und rettete ihm damit das Leben...

Diese schaurig-schönen Geschichten stammen aus der Feder des Schriftstellers Katurian. Nun stehen er und sein Bruder Michal unter Mordverdacht, denn in der Stadt sind drei kleine Kinder nach dem Muster dieser Erzählungen getötet worden.

Das Stück spielt in der Zukunft eines totalitären Systems á la 'Brasil', in der Kunst und Literatur argwöhnisch beobachtet wird und das Fremde der Gedanken eines unangepassten Geistes in einer gefährlich politisierten Welt. Thema ist die Verführbarkeit der Menschen, die Macht des Wortes und der Fantasie. Wie schnell wird man selbst schuldig durch zu große, durch unreflektierte Identifikation? Wie leicht unterliegt der Mensch der Gefahr durch Manipulierung, bewusst oder unbewusst? Mit diesen Fragen gewinnt 'Der Kissenmann' seinen wichtigen Bezug auch zu unserer Realität.

Martin McDonagh entwirft mit grimmigem Humor eine tiefschwarze Kriminalkomödie über die Kraft des Geschichtenerzählens. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion zerfließen, und so gelingt ihm ein atemberaubend spannendes Schauspiel über die Wechselwirkung von Kunst und Leben.

Martin McDonagh wurde 1970 in London als Sohn irischer Eltern geboren. 1996 wurde er mit dem 'Evening Standard Theatre Award' als bester Nachwuchsautor ausgezeichnet. 'Der Kissenmann' wird 2003 im The National Theatre London uraufgeführt und im Februar 2004 mit dem 'Laurence Olivier Award' als bestes neues Stück ausgezeichnet.

Das Artheaterteam freut sich außerordentlich für dieses Meisterwerk die Rechte für den Kölner Raum bekommen zu haben. Das Stück ist in seiner Besetzung, in seiner Erzählstrategie und in seiner Thematik ein optimales Stück für das Artheater und seiner inhaltlichen Konzeption. Wir freuen uns dieses preisgekrönte Stück nach Köln bringen zu können.

The Tropic of X

“The Tropic of X” by Caridad Svich In Kooperation mit dem Immigrants Theatre New York und Lowskin Productions Köln Welturaufführung am artheater Köln – in deutscher Sprache
Nicht mehr im Repertoire!
Immigrantstheat@aol.com; www.caridadsvich.com; www.newdramatists.org; www.theatreforum.org; www.alexanderstreet.com Irgendwo in „Latino-America“ an einem billigen Touristenstrand zwischen Werbetafeln, Postkartenromantik, Nescafé und dem Müll der Straße leben die Liebenden Mori und Maura. Groß geworden zwischen Sextourismus und Drogenexzessen leben sie zusammen mit dem Drogendealer Kiki und dem DJ Hilton das etwas andere „Paradiso“ und kämpfen mit ihrer eigenen Sprache und Musik als Waffe für ihre kulturelle, sexuelle und spirituelle Identität. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit „Erste Welt“ Touristen und die intimen Unterhaltungen mit dem/der transsexuellen Kiki stellt ihre Liebe zueinander, ihre Identitäten und ihre Lebenskonzepte in Frage - in einer Welt, die sie nicht will. Als Mori nach einem Regimewechsel in einer Umerziehungsanstalt der Regierung verschwindet macht sich Maura auf die Suche nach ihrem geliebten „Companero“. In Zusammenarbeit mit der Produktionsgruppe Lowskin, dem Immigrant Theatre Project New York und der New Drama League New York produziert das Artheater Köln in der Regie von Marcy Arlin, New York, diesen aufregenden neuen Text zum Thema Migration, Ausbeutung, Intersexualität und Hip-Hop. Welcome of the World of “The Tropic of X” Regie: Marcy Arlin, New York Stück: Caridad Svich Übersetzung: Stefanie Devi und Molly Shaiken Produktionsleitung: Andreas Robertz und Bernd Rehse Ausstattung / Bühne: Tina Toeberg Musik: Kai Niggemann Technische Leitung / Licht: Johannes Kordes Darsteller: Heidrun Reinhardt, Sunga Weineck, Ben Steinhoff, Steven Appleton, Bernd Rehse Assistenz: Irakli Kiziria
Presse:
Mit „The Tropic of X kommt die postkoloniale Theorie auf der Theaterbühne des artheaters der Domstadt an.. Warum das Klischeé in der Karibik suchen, wenn Köln Ehrenfeld so nah ist?...Mori (Stephen Appleton) und Maura (Heidrun Reinhardt) frissten an einem namenlos bleibenden Ort eine eher eintönige Existenz…Zwischendurch treffen sie sich mit Kiki(Sunga Weineck) und tauschen Neuigkeiten über Freier und Träume vom schönen Leben in den kapitalistischen Zentren aus. Doch die brüchige Idylle scheitert. Der unbenannte Strand wird zum Schauplatz einer ebenso unbenannten Gewaltherrschaft…..Nichts ist unerträglicher als Mitgefühl anstelle von Verstehen und vor dieses haben Autorin (die ukrainisch-amerikanische Autorin Caridad Svich) und Übersetzerinnen glücklicherweise eine hohe Hürde gesetzt. Es ist eine alte Forderung postkolonialer Literaturtheoretiker,…., dass die Kolonialisierten ein Gegenstück zur Kolonialen Meistererzählung formulieren. „The Tropic of X“ löst diese Forderung ein…. Sich selbst sieht das Liebespaar als Street Fighter, als Charaktere in einem Computerspiel, dessen Fähigkeit zur Generierung neuer Widrigkeiten ungebrochen ist. Da passt es gut, wenn das „Andere“ auf der Bühne nur von einem Darsteller (Bernd Rehse) verkörpert wird..Tourist..Freier..oder Folterer…und so der Kolonisierer statt der Kolonisierten unbestimmt bleibt. Dj Hilton (Ben Steinhoff) orchestriert den Austieg und Fall der Helden…. Und greift tief in die Plattenkiste der Karibik… TAZ NRW Kultur / Christian Werthschütte „The Tropic of X“ heißt das Stück von Caridad Svich, das jetzt im artheater auf deutsch uraufgeführt wurde. Regie führte die New Yorkerin Marcy Arlin… das Stück ist eine krude Mischung aus Liebesgeschichte und politischer Totalitarismus-Vision… Die Bühne ist Tristesse. Im Hintergrund das Meer, vorne Bierkästen…Papiermüll,…Sextourismus, Gewlt, Drogen gehören zum Alltag der drei…umwerfend: Sunga Weineck als Kiki…(Sandra Nuy / Kölner Rundschau …das Ringen um Identität, Kritik an ausbeuterischen Verhältnissen im Zeitalter der Globalisierung stehen im Zentrum des Dramas der ….Autorin Caridad Svich…beherzter Einsatz der Schauspieler… in Koopertation mit dem Immigrant`s Theatre of New York (Regie: Marcy Arlin)… Jdü/Kölner Stadtanzeiger

Edward Love War

Nach Ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit in 2006 und dem Gewinn des Kölner Theaterpreises für „Der Kissenmann“ präsentieren artheater und movingtheatre.de nun Ihre neueste Produktion: „Edward Love War“ nach Christopher Marlowe`s „Edward II“. Marlowe (1564-1593), neben Shakespeare der bedeutendste Autor des Elisabethanischen Zeitalters, zeigt einen Staat, der auf seinen Exitus zutreibt, im Zentrum die immer wieder spannende Frage, wer denn auf welchem Wege die Macht im Staat erringt. In grellen Farben leuchtet seine Menschenwelt – ein von Angst und kreatürlichem Leiden, von Flucht- und Triebimpulsen gesteuertes Bestiarium. König Edward II liebt Gaveston. Privat aber vor allem auch öffentlich. Er überhäuft ihn mit Ehren und Ämtern und brüskiert damit seine Ehefrau, sowie den gesamten Hof. Seine politische Unbesonnenheit und das dreist-arrogante Auftreten seines Liebhabers Gaveston, Neid, Eifersucht und Herrschsucht im Hofstaat, führen schließlich in den Krieg und letztendlich in den Abgrund. Diese Menschen weigern sich, die Gültigkeit der Grenzen der „conditio humana“ anzuerkennen, spannen alle ihre Kräfte an, stellen sich, quasi jenseits von Gut und Böse, außerhalb aller Normen und kämpfen einen aussichtslosen, mit dem Blut vieler Unschuldiger getränkten Kampf. Aktuellere Bezüge, als uns unsere eigene Welt zur Zeit liefert können wir uns kaum vorstellen. Sind wir imstande durch Bewusstsein Einfluss auf gesellschaftspolitische Vorgänge zu nehmen, Korruption zu begreifen und im besten Fall zu verhindern? artheater und movingtheatre.de wollen hier keine Antworten geben, sondern Fragen aufwerfen. Im ästhetischem Gesamtkonzept dieser Inszenierung werden Kostüm und Musik als künstlerische Ausdrucksformen in einer sowohl textlich als auch personell auf den Kern reduzierten Fassung, eine zentrale, inhaltlich ergänzende Rolle spielen Auch in der Arbeitsweise gehen das artheater und movingtheatre.de für sich weitere, neue, spannende Wege. Um äußere und innere Ansichten, Erfahrung von Regie und Schauspiel, Standpunkte unterschiedlicher Menschen und Erlebniswelten auf einem gemeinsamen Weg produktiv verbinden zu können, haben wir uns entschlossen, auf eine einzelne, von aussen dirigierende Regie zu verzichten und die Umsetzung von „Edward Love War“ in einer gemeinsamen, kollektiven Anstrengung der am künstlerischem Prozess beteiligten Menschen zu einem besonderen Ergebnis und Erlebnis zu führen.
das artheater aktualisiert den stoff um ...Machtgier und fleischliche Gelüste mit teils drastischen Regieeinfällen und Effekten...Eine leidenschaftliche Inszeniering des fünfköpfigen Ensembles (Kölner Stadtanzeiger) Zweifellos beeindruckend, wie die Darsteller hier die Belange ihrer Protagonisten verdeutlichen:...Die Ergriffenheit der Zuschauer spiegelte sich an diesem Abend ebenfalls in verspätet einsetzendem Applaus wieder. Diese Interpretation von Marlowe lässt keinerlei Tabus aus. Schonungslos wird offenbart, wie mit Menschen umgegangen wird, die nicht das tun, was von ihnen erwartet wird. (campus.de) "Die bilderstarke Inszenierung legt einen klaren Fokus auf die Figur des Edward...bietet eine Lesart des Stückes, die das (Zwischen-)Menschliche in den Mittelpunkt rückt, was aber von einer ausgeprägten Sinnlichkeit ist." (Kölner Rundschau) Regie: Ensemble Bühne: Ensemble Darsteller: Katja Solange-Wiesner; Tomasso Tessitori; Achim Conrad; Stefan Bohne, Bernd Rehse Musikalisches Konzept: Stefan Bohne Kostüme: Pino Cervino Licht: Johannes Kordes Produktions/Regieassistenz: Lara Pitjou

Kommunikarion der Schweine

„Kommunikation der Schweine“ von Robert Woelfl / S. Fischer Verlag – In der grotesken Konstruktion einer Welt, in der die Wahrheit verschwimmt,die Umgebung und Nachbarschaft zur Bedrohung wird und jedes Geräusch, dass von außen nach innen dringt zu einem Alptraum werden kann, behaupten das Albert und Martha krampfhaft eine Realität bestimmt von Sprachhülsen, Platitüden; sich immer wiederholenden Klischeés. Doch unter dieser scheinbaren Normalität und Eintracht brodelt der Vulkan eines ungelebten Lebens. Gibt es ein dunkles Geheimnis von Martha und Albert? Der Klempner Erich dringt in diese bizarre Welt ein. Ein Erlöser? Ein Opfer? Ein Wissender? Unerwartet bricht sich Gewalt ungezügelt Bahn. Dann, in der Psychatrie, sind Martha und Albert den willkürlichen Demütigungen des ominösen Dr. Richard unterworfen. In dem Zusammenspiel von scheinbarer Idylle und Gewalt beschreibt der Autor Robert Woelfl eine Welt, die sich im Kreis dreht, nicht ohne eine gruselige Komik. Robert Woelfl, 1965 in Villach geboren, lebt als freier Schriftsteller in Wien. Er erhielt den Lenz-Preis der Stadt Jena für neue Dramatik, einen Preis beim Grazer Dramenwettbewerb 2000 sowie den 2. Preis des Heidelberger Stückemarkts 2001 für Kommunikation der Schweine. Es spielen im artheater: Wiebke Kuttner, Stefan Bohne, Bernd Rehse Konzeption und Umsetzung: Ensemble und André Erlen Kostüme: Pino Cervino / Musik u Recordings: Stefan Bohne / Licht: Bernd Rehse Mobiliar: Axel Kreiser Flyer / Plakate: Wiebke Kuttner Gewaltszenen: Jörg Kretzschmar – Forum Ki Shin Thi, Beethovenstrasse 10, 50674 Köln Technische Assistenz: Jürgen Pistol Pressestimmen Wiebke Kuttner, Stefan Bohne und Bernd Rehse wirken lustvoll verstörend. Und Bühnenbild, Kostüme (Pino Cervino) und Stefan Bohnes überragendes Sounddesign heben die „Kommunikation der Schweine" weit über das Niveau des Textes (cbo) Kölner Stadtanzeiger Martha und Albert sind zufrieden, zufriedene Zeitbomben sozusagen... Stefan Bohne und vor allem Wiebke Kuttner spielen die Hauptrollen so beängstigend eindringlich, dass jeder 68er darin seine schlimmsten Alpträume wieder erkennt. In der Gesamtkonzeption, für die das Ensemble des artheaters sowie André Erlen verantwortlich zeichnen, fallen neben der gelungenen Ausleuchtung mit kaltem Licht und Suchscheinwerfern die tollen, metallischen Schleif und Kreischgeräusche der "Außenwelt" auf. Sie sind derart aggressiv dass man den ,Rückzug" von Martha und Albert fast wieder versteht. (Kölner Rundschau)

Nach dem Ende

„Nach dem Ende“ von Dennis Kelly, Rechte: Rowohlt Verlag „Nach dem Ende“ entstand unter den schrecklichen Eindrücken von 09/11 und den daraus folgenden gesellschaftlichen Erschütterungen. Anhand des klaustrophobischen Kammerspiels verfolgt Autor Kelly - einer der aktuell spannendsten britischen Theaterautoren - diese Spuren. Marc und Louise – beide kennen sich aus einer „anderen“ Realität - sind nach einem schweren Terroranschlag in einen Bunker geflüchtet und überdauern vermutete Strahlengefahr. Draußen nur Tod und Chaos. Die Enge des Bunkers, Fremdheit und Nähe, nicht ausgelebte Gefühle aus dem Damals und vermeintliches Schutzbedürfnis sind die Parameter. Dann kommen die künstlich auferlegten Regeln, Befehle und Hierarchieansprüche, Essensrationierungen. Das Gleichgewicht beginnt zu kippen…. Ein psychotisches kleines Theaterlaboratorium über Manipulation, Gewalt und Liebe. „Ein hinterlistiges, kleines Vexierspiel, das sein Publikum gnadenlos aufs Glatteis führt“ (Berliner Zeitung) Darsteller: Wiebke Kuttner und Bernd Rehse Regie: André Erlen Bühne: Ensemble / Licht: Boris Kahnert Ton: Michael Bölter / Technik: Kotti J. Pistol